Sorge um künftige Forschungszusammenarbeit mit der EU

Empa unterstützt offenen Brief der Hochschulen an den Bundesrat

19.02.2014 | RAINER KLOSE
Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative haben sich die Schweizer Hochschulen in einem offenen Brief an den Bundesrat gewandt. Dieser solle alles tun, damit die Schweiz als gleichberechtigtes Mitglied an den EU-Programmen «Horizon 2020» und «Erasmus+» teilnehmen kann. Die Empa unterstützt diesen Aufruf.
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Knapp ein Drittel aller Forschenden an der Empa sind EU-Bürger. Bild: Empa
 

Man sei sich bewusst, dass die Rettung der Schweizer Teilnahme an diesen Programmen nur ein kleiner Teil eines viel weiterreichenden Problems für die Schweiz sei, schrieben die Universitäten, ETHs und Akademien, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen. Doch der Bundesrat solle zu Kenntnis nehmen, dass eine «Dringlichkeit» für die Schweizer Forscher bestehe, erklärte Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus) in Bern.

Die Empa wäre von Einschränkungen betroffen

Empa-Direktor Gian-Luca Bona sagt zu diesem Thema: «Für uns ist EU einer der Hauptpartner unserer Forschungszusammenarbeit – ebenso wie für unsere Kunden, die Schweizer KMU’s. Dabei geht es auch ums Geld: Die Empa bezieht jährlich rund 10 Millionen Franken an Forschungsförderung aus der EU – das ist angesichts der 98 Millionen Franken, die wir an Bundesmitteln erhalten, ein signifikanter Zusatzbeitrag von 10 Prozent. Ein Wegfall dieser Gelder würde unsere Arbeit spürbar einschränken.»

Auch mit ihrem Stammpersonal ist die Empa eng mit der Wissenschaftsszene im Ausland verknüpft: 60 Prozent der Forschenden an der Empa besitzen einen Schweizer Pass, 30 Prozent stammen aus der EU, 10 Prozent aus dem aussereuropäischen Ausland. Die Fluktuation im Wissenschaftsbetrieb ist hoch – und jeden neuen Mitarbeiter einzeln beantragen zu müssen, würde unsere Arbeit erheblich erschweren.

«Die Situation ist nicht gut aber vielleicht lösbar», bilanziert Gian-Luca Bona die Lage nach der Volksabstimmung. An der Zielsetung der Empa – die als Hauptaufgabe heute Innovationen für die Wirtschaft vorbereitet – will der Direktor fest halten: «Wir sind auf internationale Zusammenarbeit angewiesen, und wir müssen mit den besten Forscherinnen und Forschern Austausch pflegen, die wir finden – sonst ist unsere Arbeit für die Schweizer Industrie, die sich im globalen Umfeld behauptet, nicht mehr interessant.»

 

ETH und Schweizerischer Nationalfonds in Sorge

Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit der Schweiz äusserte auch Ralph Eichler, Rektor der ETH Zürich. «Dazu müssen wir die besten Leute anziehen und anderen Leuten zeigen, dass wir gut sind.» Die Qualität einer Forschungseinrichtung werde heutzutage zu einem guten Teil an ihrem Erfolg bei der Konkurrenz um EU-Gelder gemessen. Der Präsident des Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), Martin Vetterli, befürchtet, dass der Schweizer Forschungsplatz nach «dieser Katastrophe» seine hohe Qualität nicht halten könnte.

Mitte Februar 2014 hatte die EU die Verhandlungen zum Rahmenforschungsprogramm «Horizon 2020» und dem Studentenaustauschprogramm «Erasmus+» gestoppt. Die EU-Kommission hatte die weitere Teilnahme der Schweiz an die Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien geknüpft. Den offenen Brief haben die Rektoren der Universitäten, ETHs, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen unterzeichnet.
(Quelle: sda, Empa)

Der offene Brief der Schweizer Hochschulrektoren im Wortlaut (pdf, 100 kB)

 
 


 

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